Aktuelles aus Schule und Kindergarten

Montag, 03.02.14

Schulbauernhof in Pfitzingen

„Raus aus der Schule, rein ins echte Leben“

ist einer unserer Leitsätze. Und so ziehen unsere Schülerinnen und Schüler immer wieder los vom Schulgelände auf der Hohen Eiche, um auf Ausflügen, Veranstaltungen und Freizeiten ins "Leben draußen" einzutauchen. So wie eine Gruppe von 26 Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und sechzehn Jahren, die zusammen mit ihren Begleitern zehn Tage lang auf dem Schulbauernhof in Pfitzingen mitgearbeitet haben.

Um sechs Uhr morgens hieß es raus aus den Federn für die Stallgruppe und den Küchendienst: Ställe ausmisten, Kühe und Ziegen putzen, vormelken, an die Melkmaschine anschließen, auf die Beschaffenheit der Milch achten. „Da ging es schon morgens richtig zu Sache“, erzählt der 13-jährige Thiemo Lautenschläger über seinen Einsatz als Stalljunge. "Wir haben Silage mit der Futtergabel aus dem Silo rausgeholt und die Kühe damit gefüttert". Finn Schiz ergänzt: „Das war ziemlich anstrengend. Ich habe es aber nicht als wirkliche Arbeit empfunden, denn ich habe es ja freiwillig gemacht.“

Auch der Küchendienst legte sich ins Zeug, um der ganzen Gruppe ein leckeres Essen auftischen zu können: veganer Karottenaufstrich, Rote-Beete-Salat, Rührei, Ziegensalami, Kuchen – fast alles, was auf den Tisch kommt, wird auf dem Bauernhof angebaut und frisch zubereitet. Besonders beeindruckt waren die Schüler von den vollen Regalen im Keller mit Obst und Gemüse, das die Schulklassen vor ihnen eingelegt hatten. „So erbringt jeder seinen Teil für die Gemeinschaft und merkt, dass seine Arbeit sinnvoll ist“, meint Christina Plückhahn, eine der Begleiterinnen.

Jugendliche, die nicht für Stall oder Küche eingeteilt waren, gingen anderen Tätigkeiten nach: Weinstöcke schneiden, den Mist in den Weinbergen als Dünger verteilen, Butter und Sahne herstellen, Holz hacken, Körbe flechten, Wolle spinnen. Kein Wunder, dass es des Öfteren hieß: „Die Kinder spinnen heute Nachmittag!“ Mehrfach besuchten Kleingruppen Nachbarlandwirte und erfuhren so, wie eine Bauernfamilie lebt und wie Milchwirtschaft betrieben wird. Andere fuhren mit dem ortsansässigen „Grünen Markt“ durch die Dörfer des Taubertals und halfen mit, die Produkte der heimischen Bauern zu verkaufen.

Die Erfahrungen, die die Gruppe mit der praktischen Arbeit am Bauernhof gesammelt hat, wirken im Schulalltag nach. So arbeiten ein paar Jugendliche bereits mit Feuereifer daran, ein Café zu eröffnen, in dem gesunde Vesper und selbstgebackene Kuchen angeboten werden sollen. Da wirken viel Eigeninitiative und Eigenverantwortung – Eigenschaften, die den Schulalltag der FAS seit je prägen. „Das gemeinsame Tun auf dem Bauernhof hat uns als Gruppe gestärkt“, erzählt Christina Plückhahn. Das wirke sich auch auf das Verhältnis zu den Kindern mit besonderen Bedürfnissen aus: „Jeder hatte dort seine Aufgabe, die anderen konnten sich darauf verlassen. Das hat uns zusammengeschweißt.“
Gerti Henle