Aktuelles aus Schule und Kindergarten

Freitag, 28.11.14

Intensiver Austausch

Das „Intensiv-Wochenende“ für Eltern und Begleiter bot einen wertvollen Rückblick von ehemaligen FAS-Schülerinnen und Schülern auf ihre Zeit an der FAS, der 2. Tag stand unter dem Motto „Ganzheitliches Lernen“

Einmal im Jahr steht ein „Intensiv-Wochenende“ für Eltern, deren Kinder die Primaria oder Sekundaria besuchen, auf dem Programm der Freien Aktiven Schule. Es geht darum, sich näher kennenzulernen, sich mit den Begleitern und untereinander auszutauschen und sich mit pädagogischen Themen inhaltlich auseinanderzusetzen.

Zum Auftakt am Freitagabend kamen zwanzig 16-18jährige Jugendliche, die in den letzten Jahren von der FAS abgegangen sind. In einer großen Runde erzählten sie, wie es für sie nach der FAS weitergegangen ist, was sie im Rückblick besonders gut an der FAS fanden und was sie sich anders gewünscht hätten, wie sie ihre Eltern erlebt hatten, was sie geprägt hat und was sie gerade beschäftigt.

Ich, Mutter eines jüngeren Schulkindes, kannte niemanden der Jugendlichen näher und war beeindruckt von der Authentizität und Offenheit, mit der sie erzählten. Da saßen junge Menschen, die nach unterschiedlich langer Zeit an der FAS nun das Leben „draußen in der Welt“ entdecken – jede auf ihre und jeder auf seine Weise, alle aber mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein und Neugierde.

Mich berührten Aussagen wie: „Ich bin selbstständig geworden durch selbstständiges Lernen an der FAS“, „Ich durfte an der FAS auf mein Herz schauen, anstatt mit der Masse zu ziehen“, „Die anderen an der FAS waren nicht nur Schulkameraden, sondern Freunde fürs Leben“, „Ich hatte an der FAS das Gefühl, dass ich geborgen bin und mich auch fallen lassen kann“, „Alles, das Positive und das Negative, hat mich wachsen lassen“. Es war für mich beruhigend zu hören, dass keiner der Jugendlichen an weiterführenden Schulen Probleme mit dem Lernstoff hatte. „Ich bin froh, dass ich die Schulzeit für wertvolle Dinge nutzen konnte. Die Prüfungsthemen kriegt man in einem Jahr gut rein“, meinte eine ehemalige FAS-lerin.

„Mehr Fristen, mehr Struktur, mehr Mitbestimmung, mehr Konsequenzen“ – die Jugendlichen hatten einige Ideen, wie für sie das Lernen und Leben an der FAS noch wirksamer hätte gestaltet werden können; hier war die Bandbreite des subjektiv Wahrgenommenen groß. Einig waren sich aber alle, dass „Elternhaus und Schule zusammenfinden müssen, sonst entsteht Druck“. Die meisten Jugendliche haben ihre Eltern als unterstützend erlebt: „Meine Eltern hatten Vertrauen in meine Entscheidungen, nicht nur was die Schule betraf. Das hat mir sehr geholfen“, sagte ein Teilnehmer an der Gesprächsrunde – seine Mutter im Publikum war sichtlich gerührt.

Am Samstag stand das Thema „Ganzheitliches Lernen“ im Vordergrund. Begleiter aus unterschiedlichen Bereichen erzählten, was für sie ganzheitliches Lernen bedeutet und wie sie es an der FAS erleben.

So erhielten wir Eltern einen Einblick in den Bau und Betrieb einer „Bankfiliale“, der viele Primaria-Kinder über Tage beschäftigt hatte. Singen und Musik ebenso wie das kreative Tun als wertvolle Bestandteile einer ganzheitlichen Entwicklung wurden angesprochen und Mathe-Materialien „zum Anfassen“ vorgestellt. Das „Fairtrade Projekt“, das mit dem quietschgelben Bananen-Truck begann und zur Auseinandersetzung mit Fairtrade-Produkten und zum Besuch vom Fairtrade-Laden in Degerloch führte, hatte vor allem Schüler der Sekundaria interessiert.

Am Nachmittag griff eine der Kleingruppen das Thema vom Vormittag auf und tauschte sich darüber aus, wie „Ganzheitliches Lernen“ zuhause aussehen kann. Auch andere Themen fanden Anklang, zum Beispiel „Angebote in der Primaria“, „Voraussetzungen für die Sekundaria-Arbeit“ und „Wie lernen Kinder Schreiben und Lesen und wie kann man sie dabei unterstützen?“.

Fazit des „Intensiv-Wochenendes“: Es tut gut und ist wichtig, die Gemeinschaft von Eltern und Begleitern auf diese Weise zu stärken. Ich empfinde es als wertvoll, wenn Begleiter sich einbringen, indem sie thematische Anstöße geben und vom Schulalltag erzählen. Und das von den Jugendlichen Gesagte wird noch lange nachklingen.

Gerti Henle